Dienstag, September 30, 2003

Das Problem ist, dass nicht alle guten Bücher in die vorhandene Zeit passen. Drei die mich gerade besonders interessieren:
John Eldrege: The glory of a heart fully alive und Der ungezähmte Mann
Sowie Rich Mullins: His life and Legacy. An arrow pointing to heaven. Eine Biographie über den postmodernen (oder wie auch immer man diesen unkonventionellen Menschen nennen mag) Denker und Musiker Rich Mullins.

Einige meiner Lieblingsfotos aus der Serie Earth from the Air gibt es jetzt auch im Internet. Ich habe ein ganzes Buch mit 365 wunderschönen, zum Teil auch traurig-schönen Bildern der Erde von oben. Es ist nicht das typische Andachtsbuch, aber ich betrachte die Bilder oft am Morgen oder im Lauf des Tages, danke Gott für die Schönheit der Erde und bete manchmal fuer die Orte, die da abgebildet sind.

Der Entschlackungseifer hat nun auf mein Privatleben übergegriffen. Ich merke, dass ich seit 10 Jahren nicht mehr umgezogen bin...Aber die Regel "täglich fünf", die ich für mich selbst aufgestellt habe, funktioniert gut. Täglich fünf Gegenstände, Briefe, Zettel oder was auch immer "Entschlacken" - entweder verschenken, wegwerfen, bearbeiten oder wegsortieren....Eine Garantie dafür, täglich fünf kleine Erfolgserlebnisse zu haben - bis am Ende von meiner Wohnung nichts mehr übrig ist als eine Futon Matratze auf dem Fussboden...naja, so weit wird es bei aller Begeisterung fürs Schlanker werden wohl doch nicht kommen.

Ich kann es nicht lassen. Habe gestern abend einen neuen Blog gestartet. Eine provisorische Homepage für die neue Gebetsinitiative 40 Tage Beten und Fasten für unser Land, die in der Fastenzeit 2004 durchgeführt werden soll.

Montag, September 29, 2003

mal sähen, öb es jützt geht.

JÜCHÖÄ!

Naja, nicht wirklich...hmm.

Scheint so.

Test: Habe am Blog rumgespielt. Mal sehen ob er jetzt Umlaute wie ä, ü. ö, �, �, � schreiben kann.

Gerade rief mich eine Freundin an, deren Stimme ich seit 5 Jahren nicht mehr gehoert habe - was schlicht und ergreifend daran lag, dass sie mit ihrem Mann + Kindern (das letzte habe ich noch "in der Verpackung" gesehen) fünf Jahre in Tansania gelebt hat...eigentlich 8, aber vor 5 Jahren waren sie mal zu Besuch in Deutschland. Wir haben es spontan geschafft, naechste Woche einen Termin zu finden, der bei uns allen passt. Ich freue mich riesig. Bin sehr gespannt.

Sonntag, September 28, 2003

Heute war Marathon...nur 50 Meter vor meinem Haus war Kilometer 25. Den Anfang habe ich verpasst, aber habe noch einige der guten Laeufer gesehen...meine Freundin Dorothea zum Beispiel, die mich gut verschwitzt umarmte, bevor sie weiterrannte...Ich rannte hinterher, um noch ein Bild zu machen, aber erwischte nur noch ihre Beine. Die Mischung der Menschen war irgendwie cool. Die einen liefen locker, als waere es fast ein Spaziergang, die anderen waren so erschoepft, dass man sich fragte, wie sie zum Ziel kommen sollten. Manche liefen total verkrampft, andere waren mit Wikingerhut und sonstigen Utensilien so ausstaffiert, dass man nicht wusste, ob es ihnen aufs Laufen oder auf das Gesehen-werden ankam. Wieder andere Lauefer waren blind und wurden von Begleitern an einem Band geführt, Paare und Eltern und Kinder liefen miteinander, es war - zuminindest in den hinteren Reihen viel weniger ehrgeizig - sportlicher Wettkampf als ich gedacht haette.
Ich habe natuerlich viel daran gedacht, dass Paulus unser Leben mit Jesus mit so einem Wettkampf vergleicht. Wahrscheinlich auch, aber nicht nur weil mir ein Pastor vor kurzem erzaehlte, dass er in einer Predigt erklaerte, dass man für einen Wettkampf alles Ueberfluessige ablegen muss und zur Illustration seinen Talar und seine Stoffhosen ablegte und in Bermudas weiterpredigte. Daraufhin bekam er massive Probleme mit Gemeindemitgliedern, die sich bei seinen Vorgesetzten beschwerten und meinten er sei nicht kindertauglich...aber das nur am Rande. Es war irgendwie schoen, zu sehen, dass die Leute alle weiterkamen. Keuchend, verschwitzt, elegant oder verkrampft, schrill oder funktional gekleidet, froehlich oder traurig...so wie in der Gemeinde Jesus halt auch.

Habe heute eher zufaellig als absichtlich den passenden Partner für vier einsame Single Socken gefunden...und mich hinterher gefragt, wieso in aller Welt ich grasgruene, gelbe und lilafarbene Socken besitze (die gelben habe ich geschenkt bekommen). Habe auf alle Faelle beschlossen, diese merkwuerdigen Kleidungsstuecke in den naechsten Wochen so viel wie moeglich und sozial vertraegleich zu tragen, bis sie dann ganz durchgewetzt sind und guten Gewissens meinem Simplyfy-inspirierten Entschlackungseifer (ueberfluessiges Zeug loszuwerden) zum Opfer fallen koennen.

Samstag, September 27, 2003

Nach eienr Stidue der Cmabridge Uinverstiaet, ist es eagl in wlehcer
Reiehnfogle die Bchustebaen in Woeretrn vokrmomen. Es ist nur withcig, dsas
der ertse und lettze Bchusatbe an der ricthgien Stlele snid.
Der Rset knan total falcsh sein und man knan es onhe Porbelme leesn. Das
ist,wiel das mneschilche Geihrn nciht jeden Bchustbaen liset sodnern das
Wrod als gaznes.
Krsas oedr? hbae ich scohn imemr gesgat, dass es nihct so schlmim ist, wnen man Buhcsatebn vrederht...bei Zhlaen ist es shclimemr. Veil shclimemr.

Ich bin wieder da. Mein Gepaeck auch. Zumindest 99% davon. Auf der Strecke zwischen Amsterdam und Berlin geblieben ist der ausziehbare Griff meines Rollkoffers...(Wer braucht einen herrenlosen Griff???). Aber zur Not kann man einen der Schals, die man sich sonst aus Dekogruenden um den Hals haengt zweckentfremden und als Koffer-hinter-sich-herzieh-instrument verwenden. Irgendwie geht alles!

Noch ein paar Stunden in Holland und dann wieder in Berlin. Nach fuenf intensiven Tagen freue ich mich auf mein eigenes Bett und den normalen Lebensrythmus.
Aber auch die letzten Tage waren schoen. Am Donnerstag sind wir mit dem Boot nach Gouda gefahren, genauer gesagt: ICH bin gefahren. Habe Bootfahren gelernt, geradeaus ist ziemlich einfach, beim Einparken und bei engen Schleussen hatte ich noch ein paar Probleme. Einmal bin ich sogar ueber eine Autobahn geschippert, was ich ziemlich cool fand.
Gouda ist ein schoenes mittelalterliches Staedtchen, das man als romantisch bezeichnen koennte, wenn nicht gerade anstelle des traditionellen Kaesemarktes (Holland wie auf Postkarten!) Kirmes ist - Rummel mit irgendwelchen halsbrecherischen Abenteuergeraeten. Wir haben die Flucht ergriffen und sind in schmale Gassen verschwunden und in einem der netten Cafes haengengeblieben...bis es zu spaet war, um zu dem Gebetstreffen zu gehen, das eigentlich noch auf dem Programm stand.
Dafuer haben wir uns am naechsten Morgen mit vielen verschiedenen Gebetsleitern getroffen. Sie haben mich ausgefragt, wie wir Dinge in Berlin machen, ich habe zurueckgefragt, Tipps gegeben...ein schoener Tag, den wir abends noch mit einer Minischiffahrt auf der Maas (grosser Fluss, wo es ganz schoen schaukelt, wenn ein Ozeandampfer vorbeikommt!) und einem Essen am Boot und tiefen langen Gespraechen abgeschlossen haben.
Ich bin froh ueber diese intensiven Tage in Holland, wo ich ein Stueck mehr von Jesus, seinem Reich und seinem Charakter entdeckt habe. Einfach gut.

Donnerstag, September 25, 2003

Eine der coolsten Sachen, die bei 24/7 laeuft ist die Beteiligung der Heilsarmee. In England und Australien hat die Heilsarmee vor gut 100 Jahren einige Gemeinden gegruendet, die vom Stil her nicht wirklich im 21. Jahrhundert angekommen sind. Irgendwie haben die von 24/7 gehoert und beschlossen, als Heilsarmee ein Jahr lang rund um die Uhr zu beten.
Das Ergebnis: In den Gebetsraeumen, die sie aufgebaut haben, ist so viel passiert, Mitarbeiter sind Jesus ganz neu begegnet, die jungen Leute waren begeistert, viele haben neu ihr Feuer fuer Jesus entdeckt.
Jetzt wo das Jahr vorbei ist, ist die Heilsarmee nicht mehr, wie sie war. An allen Ecken und Enden wird experimentiert, wie die alten Werte der Heilsarmee neu umgesetzt werden koennen:
- 100% fuer Jesus leben
- Leidenschaftliches Gebet fuer eine zerbrochene Welt
- Den Menschen von ihm erzaehlen
- Sozialen Noeten und Misstaenden begegnen.
Viele der Experimente sind noch in der Startphase, aber wahrscheinlich wuerden William und Catherine Booth wenn sie davon hoeren wuerden aus dem Grab aufstehen und den "Schlachtruf" von 24/7 rufem: "C'mon" (come on, beweg Dich, mach los!).

Die Treppen in diesem schmalen hollaendischen Haus sind so steil, dass ich mich an beiden Seiten festhalten muss, wenn ich runtergehe (rauf geht leichter). Ich komme mir vor wie ne Oma mit Reuma, die ganz vorsichtig einen Schritt vor den anderen setzt.
Wie Gea es - selbst nach ner halben Flasche Rotwein - schafft, die steilen Stufen rauf und runter zu rennen ist mir ein einziges Raetsel. Aber sie meint, dass es daran liegt, dass sie seit 10 Jahren hier wohnt. Wird wohl ewig hier wohnen bleiben...wie in aller Welt soll man die selbst zusammengebauten Ikea Moebel je wieder aus diesem Haus kriegen....ich vergass...alle Hollaender haben Kraene an der Fassade. Beim Umzug werden die Moebel zum Fenster geschleppt und dann mit dem Kran heruntergelassen. Auch ne Methode. Haben wir auch mal versucht...aber irgendwas hat nicht so richtig funktioniert...

Mittwoch, September 24, 2003

Die letzten Tage habe ich beim Arbeitstreffen von 24-7 verbracht, eine Bewegung, die ich total liebe, weil sie so organisch, natuerlich, ungeschminkt und echt ist. Es ist einfach total cool. Ich liebe es. Die Leute haben es gelernt, Jesus zu sehen. Nicht nur in ihren persoenlichen Zeiten mit Jesus, sondern auch und in der Begegnung mit anderen, im Feiern genauso wie im Opfer bringen.
Als Teil der Vorbereitung wurden alle Leute gebeten, eine selbstgemachte CD mitzubringen (nebenbei erwaehnt hat meine zusammem mit der von Markus aus Dresden dem ersten Preis fuer die besten Liedtitel gewonnen.) Am Ende wurden alle CDs versteigert, um das Geld einem jungen, frisch verheiraten Paerchen zu schenken, die sich mit Putzjobs ueber Wasser halten, um dafuer arbeiten zu koennen, in Schweden eine Gebetsbewegung unter jungen Leuten aufbauen zu koennen.
Carlos aus Mexiko, der mit 5 Tagen Verspaetung am letzten Tag ankam, weil er durch Visaprobleme blockiert war (es gibt Ueberlegungen, die Treffen nach Mexiko zu verlegen, damit das nicht wieder passiert), wollte eine CD, die einer seiner Freunde gemacht hat, unbedingt haben, steigerte bis 35 Euro mit, dann bis 35 Euro und 8 Dollar, sein einziges Geld, jemand anders gab ihm noch ein paar Euro, aber irgendwann wurde er von einem reichen Amerikaner ueberboten und musste aufgeben. Der Amerikaner hatte die CD nur ersteigert, um sie ihm anschliessend zu schenken. Anschliessend bekam das junge Paar das ersteigerte Geld - Pete Greig, der visionaere Leiter von 24-7 sagte ihnen: Wir glauben an das, was ihr macht und wir wollen Euch unterstuetzen und Euch wissen lassen, dass Ihr nicht alleine seid. Wir gehen mit Euch. Leider sind es nur 300 Euro. Wenn wir 25.000 Euro haetten, haetten wir sie Euch auch geschenkt. Nicht, um Euch zu bezahlen, sondern, um zum Ausdruck zu bringen, wie sehr wir Euch schaetzen. Markus, der junge Ehemann hat nur geweint, als er das hoerte - wahrscheinlich, weil er so was nicht alle Tage zu hoeren bekommt....und es sicher auch alten Schmerz geheilt hat.
Ich weiss nicht, warum von allen Geschichten, mit denen diese Woche voll war, mir gerade diese einfaellt. Vielleicht weil sie so viel verschiedenes zusammenfasst, was 24-7 ausmacht: Fun und albern sein, zeitgemaess, freundschaftlich, natuerlich, sich gegenseitig beschenkend, tiefes Zusammengehoerigkeitsgefuehl und gegenseitige Unterstuezung. Und Jesus scheint sich in diesem Rahmen so wohl zu fuehlen, dass er kommt und Menschen in der Tiefe begegnet und sie beschenkt und alte Wunden heilt.
Natuerlich geistlich. Natuerlich. Geistlich. Natuerlich geistlich.
Sehr bewegend war fuer mich auch, dass aus der Beziehung zu Jesus soziales und politisches Engagement waechst.
Die 24/7 Gebetshaeuser sind hauefig auch Anlaufstelle fuer Kids aus der Umgebung. Sozial schwache Kids. Drogenabhaengige. Kriminelle, die sich in der Athmosphaere von Liebe und Annahme, die dort herrscht, genauso wohl fuehlen, wie die Suender in der Naehe von Jesus (etwas, was man von den meisten Gemeinden nicht sagen kann!). Als eines der Gebetshaeser, die die Englaender Boiler Rooms nennen, fuer eine Woche geschlossen hatte, sagte die Polizei ihnnn: "Gut, dass Ihr uns informiert, dass ihr geschlossen habt, weil wir in dieser Woche dann unser Personal verstaerken muessen." Ich weiss nicht, ob sie den Gebeten der 24-7 Leute so sehr vertrauten oder dem Lebensstil von Liebe und Gebet.
Eine andere Sache, die mich sehr bewegt hat ist, die enge Verbindung von Gebet und Handeln. Eine Journalistin erzaehlte von Frauen in Afghanistan, die sich in familaeren Krisensituationen z. B. Missbrauch selbst anzuenden, weil es die einzige Form von Hilfeschrei ist, die ihnen hauefig bleibt. Viele dieser Frauen bezahlen diesen brutalen Protest mit dem Leben, weil die Kliniken nicht fuer solche Faelle ausgeruestet sind. Die Journalistin will in einer Frauenzeitschrift darueber schreiben und eine Kampagne starten, um wenigtens eine Klinik mit einer speziellen Abteilung fuer schwere Verbrennungen ausstatten zu koennen. Wir haben aus einem Opfer 10% als Startkapital fuer dieses Projekt gegeben. Fand ich - natuerlich auch weil es um Afghanistan geht - klasse. Aber auch deshalb, weil es ihnen erst mal egal war, ob das Geld an eine christliche Organisation geht oder nicht. Da war ein Notschrei, den Gott vor unsere Fuesse gelegt hat und dann wurde gehandelt.
Ueberhaupt ist zumindest der englische Zweig von 24/7 viel "politischer" als wir es hierzulande gewoehnt sind. Ich unterhielt mich mit einer Frau, die davon erzaehlte, dass sie fuer eine Organisation arbeitet, die SPEAK heisst und Kampagnen macht, die sich weltweit fuer soziale Gerechtigkeit (z.B. Handel zu fairen Preisen) einsetzen. Hunderte von Studenten opfern einen Teil ihrer Zeit, um das zu unterstuetzen. Ich fragte sie vorsichtig, ob es ausser Ihr noch mehr Christen in der Organisation gibt. Sie reagierte erstaunt: "Wir alle sind Christen. Gerade weil wir Christen sind, muessen wir uns fuer andere einsezten" Und in ihrer Broschuere wird die Bibel zitiert: SPEAK up for those who cannot SPEAK for themselves. SPEAK for the rights of all who are destituet SPEAK up and judge fairly. Defend the rights of the poor and the needy (Sprueche 31, V 8 -9).
Ich merke, dass mich das sehr anspricht, ich es richtig finde. Gleichzeitig ist es so weit entfernt von weiten Teilen der christlichen Subkultur, mit der ich vertraut bin...und die derartiges schnell als "liberal" (mit negativem Anstrich)abtut. Aber wenn "liberal" sein bedeuted, Menschen in Unfreiheit, Freiheit zu geben, bin ich glaube ich gerne liberal. Auch wenn ich noch Einiges umdenken und innerlich "umprogrammieren" muss.
Das waren nur ein paar der Fragemente der letzten Tage - es gaebe noch viel mehr zu erzaehlen - von Amsterdam (postkartenschoene Stadt), Gespraechen mit der Journalistin, Teile aus dem Leben einzelner Menschen, Gebetszeiten, in denen mich Gott ziemlich tief angeruehrt hat. Oder von den Plaenen, die wir fuer Deutschland haben (ein Jahr Rund-um-die-Uhr-Gebet am Stueck ab Feb. 2004), Publikationen ueber die wir nachdenken usw. usw.
Ich bin - obwohol, ich meine obwohl ich jetzt nach drei Tagen mit viel zu wenig Schlaf und viel zu viel Koffein zum Umfallen muede bin, total froh, dabei gewesen zu sein.
Jetzt bin ich bei Gea, einer Freundin in Rotterdam. Morgen fahren wir mit dem Boot nach Gouda (kein Witz, sondern eine wunderschoene mittelalterliche Stadt in der Naehe) und Freitag sind dann einige Treffen mit Leuten aus der Rotterdammer Gebetsbewegung geplant bzw. Leute, die sich fuer die Transformation der Stadt einsetzen.
Und Samstag fliege ich zurueck. Jetzt erst mal gute Nacht.

P.S: Wenn Du das liest Andreas: Dorle hat Deine Gruesse ausgerichtet. Vielen Dank.

Samstag, September 20, 2003

Habe gerade den Film Rosenstrasse gesehen. Ueber arische Frauen, die erfolgreich dafür gekaempft haben, ihre jüdischen Maenner, die verhaftet worden waren, zurückzubekommen. Sehr, sehr bewegend.

Heute habe ich einen Brief bekommen, in dem jemand mit Muenzen ! eine Rechnung bezahlt hat. Ein bisschen verrueckt, aber irgendwie schoen, dass so etwas in unserem Land geht und man nicht damit rechnen muss, dass es geklaut wird. Freut mich.

Freitag, September 19, 2003

Heute war ich den ganzen Tag in Frankfurt zum Planungstreffen fuer eine grosse nationale Gebetsbewegung 2004, die von den verschiedensten Gebetsbewegungen getragen wird. Es war irgendwie einfach gut, das Gefuehl, dass Gott Dinge vorbereitet hat und am Handeln ist und wir mit ihm mitmachen können. Einfach gut! Nebenbei habe ich mich noch mit einem Freund getroffen und auf der Hin- und Rückfahrt an meinem Afghanistan-Artikel geschrieben. Ein voller, aber guter Tag!

Mittwoch, September 17, 2003

Ich bin gerade viel am Fragen, wie es für mich kurz- mittel- und langfristig weitergeht. Aber der Herr scheint nicht das grosse Ding auf einmal zu zeigen, sondern kleine Sachen Schritt für Schritt. Am Wochenende ist mir klar geworden, dass ich es aufgeben muss, X Artikel von anderen Leuten, die ich aus Nettigkeit mit im Vertrieb habe, zu verkaufen, weil das unendlich viel Zeit und Kraft kostet (nen halben Nachmittag pro Woche), aber finanziell praktisch nichts bringt, mir aber Zeit für das Wesentliche raubt. So was zu entscheiden (und durchzuziehen!) faellt mir nicht leicht. Ich gehoere auch zu den Leuten, die immer lieb zu allen sein wollen!. Aber ich empfinde es als einen Befreiungsschlag, den Bereich los zu sein (bzw. loszuwerden, ich habe noch einiges an Restbeständen). UFF.

In Deutschland ist gerade eine 40 taegige Gebetsinitiative in Planung. Für die Fastenzeit 2004, die verschiedensten Gebetsinitiativen wollen sich daran beteiligen. Wahrscheinlich gibt es auch ein Bet-buch dazu, das ich sehr gerne gestalten würde (inhaltlich, von Grafik habe ich keine Ahnung). Freitag fahre ich nach Frankfurt zum Planungstreffen. Bin gespannt.

Ich denke noch sehr viel an Afghanistan, taeglich gehen mir Szenen und Gespraechsfetzen aus meiner Zeit dort durch die Gedanken, ich habe noch nicht alles sortiert. Immerhin ist die Waesche gewaschen und zu meinem grossen Erstaunen sauber geworden.
Die Fuesse wieder sauber zu bekommen war viel schwieriger, der Staub dort ist so fein, dass er in alle Ritzen geht - und man kann die nicht einfach in die Waschmaschine stecken. Ich wusste gar nicht, wie viele Falten ich an den Fussohlen hatte, bis sie durch den afghanischen Staub alle einzeln wie die Adern eines Blattes markiert waren. Aber langsam sind sogar die Fussohlen wieder sauber.
Sich aufs Radfahren in Berlin einzustellen war leicht. In Kabul fahren alle so wild und durcheinander wie in Berlin nur die Fahrradfahrer. Man fühlt sich also schnell wieder zu Hause.
Von der Arbeit her ging es mir mehrere Tage lang richtig gut. Ich konnte gelassen und zuegig arbeiten. Gestern hatte ich aber wieder einen dieser doofen Tage, an dem ich wie bloed (!!!) gearbeitet habe und trotzdem nicht fertig wurde, aber nach 11 Studen richtig fertig war. Muss mal lernen zu entdecken, was den Hebel von "gelassen" zu "Hektik" umlegt und dann eine Bremse einbauen. Aber gruendlich!

Dienstag, September 16, 2003

Meine alten Blog - Dateien scheinen wohl endgültig im Nirwana verschwunden zu sein, obwohl das allen unerklaerlich ist. Ich habe nichts geaendert und ploetzlich waren sie weg. Nervig, aber ein Grund mehr, sich auf die neue Blogsoftware zu freuen, die Freunde von mir gerade entwickeln, und mit der man angeblich Umlaute schreiben ganz normal schreiben kann, ohne Fragezeichen im Text zu produzieren. Und die die Archive nicht einfach auffrisst. Naja.
Immerhin weiss ich, warum Marc nicht auf Deutsch geschrieben hat. Er hat es mir erklaert: "Ja, aber... mein Deutsch ist nicht so gut, dann muss I zuviel ins Woerterbuch aufsuchen...".

Bye bye history, welcome future

Guess what? Kerstin gave me her blogger password, because she put her hopes on me (a crazy Dutchman) for fixing her archives. These archives got lost in cyberspace, never to return. From now on Kerstin has no cyberhistory, only a bright cyberfuture... Of course I'm not allowed to mess around on her blog, but this temptation is hard to resist...

Montag, September 15, 2003

"Zwei Dinge sind unendlich: Das Universum und die Dummheit des Menschen. Aber beim Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher."
Albert Einstein

Mein groesster Dauerschuldner, der mir seit mehr als zwei Jahren viel Geld schuldet hat einen Tag, nachdem ich mich endlich dazu durchgerungen hatte, das ganze über einen gerichtlichen Mahnbescheid zu machen, Insolvenz angemeldet. Das ist ziemlich frustrierend, die Chancen, etwas von dem Geld je wiederzusehen sind wohl eher gering. Bin ein bisschen genknickt!

Sonntag, September 14, 2003

Es ist einfach schoen, Wasser direkt aus der Leitung trinken zu koennen, ohne es erst abkochen oder filtern zu müssen. In was für einem gesegneten Land wir doch leben!

Samstag, September 13, 2003

Draussen riecht es nach Herbst. September mag ich eigentlich als Monat, wenn es sonnig und windig ist, noch gut zum Wandern und radfahren und noch nicht so verregnet. Habe mir für 5 Euro sechs Heidekraut-Töpfe gekauft. Im Normalfall mache ich das immer erst im Oktober, wenn alle anderen Blumen definitiv am Ende sind, aber jetzt dachte ich mir, dass das eigentlich dumm ist. Wenn ich sie jetzt kaufe, habe ich jetzt schon was davon und im Oktober auch...fein.

Mein Beduerfnis nach "Entschlacken" und Ordnen, Ueberfluessiges loswerden etc. ist nach wie vor ungebrochen. Die "Schwabenecke" (wie ein Freund sie nennt) mit all den Dingen, die ich aussortiert habe und an den ersten verschenken will, der es umsonst haben will, waechst von Tag zu Tag (vielleicht gibt es nicht genug Schwaben in Berlin und / oder ich habe zu wenig von ihnen zu besuch). Heute habe ich angefangen, mich über das Wohnzimmer her zu machen. Macht irgendwie Spass, zu entruempeln, zu ordnen, manche lange nicht mehr gesehenen Dinge wieder zu entdecken. Einfach gut!

Ich habe den Kopf noch voller Eindrücke, die ich aber noch nicht so richtig sortiert habe. Aber kurz zusammengefasst.

Es ging mir koerperlich und innerlich gut. War insgesamt gut drauf, weil ich - tortz der Zerstörung auch viele Zeichen der Hoffnung sah.
Meine Lieblings-tageszeit waren Nachmittags, wenn hunderte von kleinen und grossen Mädchen aus der Schule kamen - es hat mich täglich neu begeistert, das zu sehen. Und abends, wenn das Leben langsam ein ruhigeres Tempo annahm, Menschen zusammensassen, redeten und die grossen und kleinen Jungs auf den Strassen ihre Drachen steigen liessen.
Habe trotz Muezin und frühmorgendlichem (4.00!) Gebetsruf gut geschlafen.
Bin vielen interessanten Menschen begegnet.
500 Fotos gemacht....(die digitalen sind schon auf meinem Computer, die anderen müssen erst noch entwickelt werden!)
Habe unendlich viele Geschichten gehoert - bewegende Ausschnitte aus dem Leben der verschiedensten Menschen....
Ich empfinde Hoffnung für das Land, aber auch die Notwendigkeit, JETZT und langfristig in dieses Land zu investieren.

Freitag, September 12, 2003

Krass:
Die Zahl der Privatinsolvenzen ist im ersten Halbjahr dramatisch angestiegen und übertrifft das Vorjahres-Ergebnis um Laengen. Der Zuwachs liegt bei 50,6 Prozent, wie die Wirtschaftsauskunftei Bürgel am Donnerstag mitteilte. 32 060 private Insolvenzantraege gingen bei den Gerichten ein. Damit hat die Zahl der Pleiten schon jetzt rund zwei Drittel der Gesamtzahl von 2002 (43 700) erreicht. An der Spitze bei den Insolvenzen liegt die Bundeshauptstadt: In Berlin stieg die Zahl um 132,8 Prozent auf 1818 F?lle. Für das gesamte Jahr 2003 rechnet Bürgel mit insgesamt mehr als 60 000 Pleiten im privaten und kleingewerblichen Bereich.

Viele verlieren Üeberblick

Die Schuldenfalle sei in vielen Faellen hausgemacht, erklaerte Bürgel-Direktor Johan Zevenhuizen. Ratenzahlungen für Konsumartikel, Autos, Wohnungen oder sogar Reisen würden sich haeufen. ?Die klassische Regel, nur vorhandenes Geld auszugeben, geraet weiter aus der Mode.? Hinzu komme die steigende Arbeitslosigkeit, die bei vielen Haushalten zur Ueberschuldung beitrage. ?Viele Schuldner überblicken kaum mehr ihren finanziellen Spielraum?, erklaerte Zevenhuizen

Immer wann man will fliessendes Wasser, Strom und Telefon, sogar E-mail zu haben ist echt ein Geschenk, das ich ganz neu schätzen lerne. Es ist merkwürdig, wieder in der Welt von Email und Telefon zu sein, benutztes Klopapier runterzuspülen (und nicht in den Eimer nebendran tun zu muessen)...Kaffeemaschinen zu haben und Internet. Einfach schoen.

Donnerstag, September 11, 2003

Die Wege des Herrn und die Wege der afghanischen Fluggesellschaft Ariana sind unergruendlich. Nachdem uns 10 Tage lang gesagt worden war, dass wir unmoeglich zum geplanten Rueckflugtermin fliegen koennten, ging es dann doch, als wir einfach am Schalter auftauchten, sagten "Wir wollen mit!" und zwei Stunden lang nicht vom Schalter weggingen....
Jetzt ist der Rucksack wieder ausgepackt, ich bin frisch geduscht...aber es wird noch eine Weile dauern, bis der Staub, der sich in alle Fingernägel und Fussritzen eingefressen hat, wieder verschwunden ist und mein Magen und Darm sich vom Schnelldurchlauf wieder auf "Normal" umgestellt hat...und bis ich die vielen bewegenden Eindrücke sortiert und verdaut habe.
Aber ich freue mich, wieder hier zu sein...



Sonntag, September 07, 2003

Gestern waren wir bei einer Familie eingeladen. Wir haben fuers Essen gebetet und dafuer, dass Gott sie segnet, ihnen Gutes tut, sie schuetzt usw. Kurz dannach fing es an zu regnen. Der erste, lang erwartete Regen dieser Saison. Der Hausvater war beeindruckt und sagte: "Ihr bringt uns den Segen Gottes!" Das ist es...wir koennen selbst keinen Segen machen - aber den Segen Gottes fuer Menschen erbitten, ist einfach schoen.
Regen ist fuer das Land sehr wichtig. Nach 5 Jahren Duerre praktisch ohne Regen war 2002 das erste Jahr, in dem es wieder geregnet hat...das war gut, aber es hat noch nicht gerreicht, um den Grundwasserspiegel wieder aufzufuellen. Viele Familien muessen zu oeffentlichen Brunnen gehen, weil die eigenen, nicht so tiefen Brunnen schon laengst vertrocknet sind....Dass es mehr regnet ist ein wichtiges Gebetsanliegen.

Es sind nicht die grossen Dinge, die einen zu einem Helden machen, sondern die kleinen Dinge des Alltags....Ich bewundere die Leute, die es aushalten, taeglich nur dann Strom zu haben, wenn es gerade mal Strom gibt....in dem Haus, in dem wir wohnen war das seit drei Monaten nicht mehr der Fall. Heute morgen wollten wir uns mit jemandem treffen, aber irgend etwas hat nicht geklappt - telefonieren ging auch nicht, weil das Telefon auch nicht funktionierte....also ist auf einmal der Tagesplan durcheinander...(ich frage mich, wie andere Deutsche, mit der Vorliebe unserer Nation fuer langfristige Planung) das aushalten....Und schliesslich klappt auch der Rueckflug nicht, weil die Fluggesellschaft den Flug ueberbucht hat und nicht alle mitnehmen kann...Nach etwa 10 Stunden, die verschiedenen Leute im Buero der Fluggesellsschaft verbinracht haben, sieht es jetzt so aus: Wahrscheinlich (!!!) koennen wir am Freitag heimfliegen, aber richtig vertrauen werde ich der Sache erst, wenn ich mein Ticket habe und im Flugzeug sitze....Kurz: Man kaempft hier mit 1001 Sache, die Zeit, Energie und Nerven kostet...und kommt nur selten zu dem, wofuer man eigentlich hierher gekommen ist. Die Leute, die hier langfristig arbeiten, brauchen echt viel Geduld, Gnade und gute Nerven....

Mittwoch, September 03, 2003

Nach dem etwas abenteuerlichen Einchecken (wir wurden alle evakuiert, weil ein herrenloser Koffer herumstand) , kam unser ganzes Gepaeck gut durch und wir auch. Ausser mir ist sogar noch eine andere Frau aus Berlin dabei?.wir kannten uns vorher aber nicht. Ich habe mich mit einem kleinen fuenfjaehrigen Maedchen angefreundet, das in Deutschland zur medizinischen Behandlung war und jetzt zurueck in die Heimat ging?und mit vielen anderen Leuten habe ich mich unterhalten. Eine Frau hat mir gesagt, wie dankbar sie ist, dass Menschen ihrem Land helfen?.Erste Eindruecke: Heiss, staubig, die Strassen voller Leben: ueberall wird gehandelt, gemauert, gezimmert, Menschen sind voller Tatendrang, neu anzufangen. Wir haben wunderschoene Zimmer in dem Haus von Mitarbeiterinnen?sogar einen kleinen Garten. Dass es seit drei Monaten in dem Stadtteil keinen Strom mehr gab, ist nebensache?.Gleich brechen wir zu einem Dorf auf, in dem ein medizinisches Team gerade taeglich hunderte von Leuten versorgt.


Hier ist es bisher wirklich gut. Wir haben viel mehr gesehen, als ich erwartet h?tte. Die Leute sind sehr flei?ig und sauber (putzen staendig ihre Autos, Wohnungen, Fahrraeder ? was auch ziemlich n?tig ist, weil der staendige Staub alles eindeckt?Ich habe mir einige einheimische Kleidungsstücke gekauft, fühle mich sehr wohl darin. Natürlich klappt nicht alles wie zu Hause, Strom gibt es theoretisch, praktisch aber in unserem Stadtteil nur mit eigenem Generator, der aber nur ein paar Stunden l?uft, in denen man dann Licht hat, den Wassertank auf dem Dach füllen kann, damit man den Tag ueber Wasser hat. Auch Internet klappt manchmal. Die Versorgung ist hier viel besser ? in der Stadt kriegt man alles: westliche Schuhe, einheimische Kleidung, Kosmetikartikel, Obst, Gemuese (das man als Westler allerdings erst desinfizieren muss, bevor man es essen kann?)
Meine Fuesse sind trocken, rau und rissig vom Laufen auf staubigen Strassen ? ein paar Schuhe hat schon schlappgemacht, gerade waren wir beim Schuster, der auch westliche Schuhe der Marke ?Titanic? verkauft?weil die Frau, die uns begleitet hat eine sechzigjaehrige Dame war, die vor 30 Jahren hier als Krankenschwester gearbeitet hat und die Sprache sprach, wollte er keine Bezahlung haben: ?Du bist meine Schwester? und lud uns zum Essen ein ? Gastfreundschaft wird wirklich gross geschrieben. Sie versprach ihm im Gegenzug, dass ich jedes Mal beten werde, wenn ich das Foto, dass ich gemacht habe, ansehe?
Die Menschen sind sehr dankbar fuer die Hilfe ? und zumindest in der Gegend hier laeuft extrem viel, von medizinischer Hilfe ueber Wasserprojekte, Strassenbau usw. Ich bin gut wuetend auf die westlichen Medien, die nur vom Negativen berichten, aber die vielen postitiven Entwicklungen kaum erwaehnen.
In einer Gegend sahen wir Dutzende von Baeumen, die in einem Racheakt von verfeindeten Gruppen zerstoert worden waren ? traurige Baumstuempfe, die aber jetzt wieder neu austreiben?ein Zeichen fuer die Zerstoerung, aber auch die Hoffnung dieses Landes
Ansonsten: Ich habe leichten Durchfall und unsere Rueckflugtickets haengen nach wie vor in der Luft, habe eine Kontaktlinse verloren (zum Glück Ersatz dabei gehabt) und habe ziemliche technische Probleme mit meiner Kamera?was mich ziemlich nervt, weil fotografieren mir sehr wichtig ist?und eine kaputte Kamera das letzte ist, was ich gebrauchen kann?